Hamburg-gegen-Krebs: Darmkrebsvorsorge & mehr!

Fakten und Strategien

1) Das wäre ideales Verhalten

Den größten positiven Effekt auf ein langes, gesundes & glückliches Leben haben:

- gesunde Lebensweise (vernünftige Ernährung, regelmäßige Bewegung, kein massives Übergewicht, Suchtvermeidung),
- Vermeidung/Therapie des "tödlichen Quartetts" bezüglich Herzkreislaufkrankheiten:
  • Fettsucht mit größerem Taillenumfang (über 88cm Frauen/102cm Männer),
  • HDL-Cholesterin (unter 50mg% Frauen/40mg% Männer) & Triglyceride (über 150 mg%),
  • Blutdruck-Erhöhung (über 130/85 mmHg),
  • Nüchternblutzucker-Erhöhung (über 110 mg%),

- achtsamer Umgang mit sich selbst:"richtige" Ziele &

  •  Maßhalten,
  • Work-life-Balance,
  • Stress-Management und -Vermeidungsstrategien

All dies bietet aber keinen 100% Schutz vor einer schwerwiegenden Erkrankung.  Insbesondere für Krebserkrankungen gilt, daß sie zu einem erheblichen Anteil "anlagebedingt" sind, so daß die medizinische Vorsorge/Früherkennung auch bei gesunder Lebensweise oft einen wesentlichen zusätzlichen Beitrag zum Erhalt der Gesundheit leisten kann.

2) Ich plane meine Gesundheit

Um die eigene Gesundheitsvorsorge unter Berücksichtigung Ihrer Erwartungen an das Leben und des individuellen Maßstabs der individuellen Lebensrisiken selbstverantwortlich planen zu können, sollten Sie die grundsätzlichen Chancen und Begrenzungen wesentlicher derzeit verfügbarer Krebsfrüherkennungs- bzw. Krebsvorsorgemaßnahmen kennen.

Die folgende Liste von Krebsvorsorge- & Früherkennungsmethoden berücksichtigt die  Kriterien für sinnvolle Vorsorge:

  • "Ist es ab einem bestimmten Lebensalter häufig?"
  • "Ist der Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussbar?"
  • "Betrifft mich das Risiko?"         

(Die dritte Frage muss individuell geklärt werden, siehe unten, Kapitel 3 & 4!)

Bitte beachten Sie, das die Liste NUR zur allgemeinen Orientierung dienen kann. Für die Beurteilung als allgemeine "Screeningmaßnahme" habe ich ein durchschnittliches Erkrankungsrisiko entsprechend der genetischen Veranlagung und bezüglich individueller risikorelevanter Umweltfaktoren zugrunde gelegt. Für Menschen mit besonderen individuellen bzw. familiären Risikokonstellationen kann die Bewertung des Vorsorgenutzens bezüglich einer Erkrankung unter Abwägung der möglichen Nachteile/Risiken der Vorsorgemaßnahme vielfach auch deutlich positiver ausfallen.

Im Einzelfall können Vorsorgeuntersuchungen bei Ihnen somit früher, häufiger bzw. mit anderen Mitteln sinnvoll sein. Vor Entscheidung für oder gegen eine konkrete Maßnahme konsultieren Sie bitte also den für die Erkrankung "zuständigen" Facharzt bzw. eine Fachärztin Ihrer Wahl!

3) Nur mein Maßstab zählt

Wenn Sie wirklich NUR 10 MINUTEN investieren wollen und sich nicht mit allen Details des FÜR & WIDER JEDER einzelnen der hier im Folgenden vorgestellten Vorsorgeangebote beschäftigen wollen, sich aber bereits für die Teilnahme EINER der hier vorgestellten Maßnahmen entschieden haben, hier die SCHNELLE Entscheidungshilfe.

Machen Sie sich zunächst klar, auf welche Eigenschaft Sie bei einer Vorsorgemethode besonders Wert legen. Je nach Ihrem persönlichen Maßstab:

  • Nutzen zählt: (z.B. starker günstiger Effekt auf mein Krebs-Sterberisiko = NNT),
  • Risiko zählt: (z.B. möglichst kein Schaden durch die Vorsorgemethode  = NNH),
  • Ziel: (z.B. NUR echte Prävention, also Verhinderung der Krankheit zählt, aber "frühere Entdeckung" von Krebs ohne 100% Heilungschance wird nicht gewünscht),

...können Sie in der folgenden Tabelle ablesen, welche Vorsorgeuntersuchungen Ihren Wünschen mehr (alle Maßnahmen oberhalb der von Ihnen bereits für gut befundenen Vorsorsorgemethode) bzw. weniger (unten in der Tabelle) entsprechen. 

Grundsätzlich empfehle ich, Nutzen und Risiko immer zusammen zu betrachten. Vorsorge ist ein Tauschgeschäft! Die "tatsächlich Kranken" profitieren besonders von der Vorsorge, die "in Wahrheit Gesunden" trifft ein eventueller Schaden durch die Vorsorge besonders hart. Zu welcher Gruppe Sie gehören, ist leider bei "echter" Vorsorge (ohne Vorliegen von Symptomen) stets unbekannt. Zumindestens sollten Sie der "Risikogruppe" angehören (z.B. gilt für Darmkrebs alleine schon ein Lebensalter von mindestens 50 Jahren als erhöhtes Risiko, Krebs findet sich hier bereits bei ca. 1 von 100 Personen).

Alle Untersuchungen die gleich oder besser "abschneiden", als die von Ihnen bereits als sinnvoll bewertete, kommen dann ebenfalls für Sie persönlich in Frage (soweit Sie nach Alter und Geschlecht zu dem für das Screening geeigneten Personenkreis zählen).

Nutzen (NNT= number needed to treat)Risiko (NNH=number needed 
to harm - hier: Todesfallrisiko)
Echte Prävention (P)
Bedeutung sinkt bei "Hochrisiko"-Gruppe

Gewinnt Bedeutung bei "schlechter" Gesundheit 

Echte Prävention = Verhinderung von Krebs

1) Coloskopie: ca. 300 für 1

1) Coloskopie: ca. 1 von 500.000

HPV-Impfung (P)

2) Mammo:     ca. 500 für 1

2) Mammo:        ca. 1 von 4.500

Vorsorge-Darmspiegelung mit Polypektomie (P)

3) PSA i.Serum: 1.410 für 1

3) PSA i.Serum:        ???


4) Blut im Stuhl-Test: ???

Blut im Stuhl-Test:   ???


5) PAP -Abstrich:       ???

PAP -Abstrich:         ???

(Durch nachfolgende ergänzende therapeutische Maßnahmen ist eine "echte Prävention" mit relative geringem Prozdurrisiko und Zusatzaufwand an einem separaten Termin möglich).

6) Brustabtasten:      ???

Brustabtasten:         ???

 

7) Hautscreening:     ???

Hautscreening:        ??? 

(Durch nachfolgende ergänzende therapeutische Maßnahmen ist eine "echte Prävention" mit relative geringem Prozdurrisiko und Aufwand an einem separaten Termin möglich).


ACHTUNG: bei  besonderen Risiko-Konstellationen kann die Bewertung anders ausfallen! Zur Erklärung der verwendeten Abkürzungen siehe Seite "für Anspruchsvolle". Soweit für hier vorgestellte Methoden die NNT (= Anzahl von Menschen, die untersucht werden müssen, um einer der Personen durch die Maßnahme zu nützen) bzw. NNH (= Anzahl von Menschen, die untersucht werden, bis einer der Personen durch die Maßnahme selbst oder Ihre Folgen zu Schaden kommt) nicht angegeben werden, sind für mich "zuverlässige" wissenschaftliche Daten derzeit nicht auffindbar, sollten Sie über solche Daten verfügen, bitte ich Sie um Mitteilung der Datenquelle!!!)

  • 4) ICH will die Fakten & entscheide selbst! 

    MEIN KREBSSCHUTZ-KALENDER unter Berücksichtigung der GKV Leistungen vom 12. bis 69. Lebensjahr (Stand: Juni 2011)

  • Darmkrebsvorsorge für "ALLE" ab 50 Jahren
  • Darmkrebsvorsorge mit Stuhlbriefchen "Stuhl auf Blut bzw. immunologische Tests und M2-PK Enzymtest"

  • Leistung der GKV ist derzeit nur der relativ unempfindliche & störanfällige Hämoccult-Test. Die weiterentwickelten Teste sind für GKV Patienten bislang leider nur als Selbstzahlerleistung verfügbar (IGEL). Alle verfügbaren Teste, auch die Selbstzahlerteste, ermöglichen nur eine Früherkennung (Krebs wird nicht verhindert). Im Gegensatz zur Darmspiegelung mit der Möglichkeit zur Polypentfernung handelt es sich also NICHT um eine Prävention.

  • BEDENKENSWERT: Die Maßnahme ist zwar gut in ihrer Wirksamkeit belegt und relativ kostengünstige Maßnahme, die Bewertung ist für die Gemeinschaft der Versicherten somit (kosten-)günstig. Allerdings handelt es sich NICHT um einen optimalen Schutz für den Einzelnen, denn VIELE Krebse werden durch die Maßnahme übersehen, und es handelt sich auch um KEINEN "Schutz vor Krebs" (s.u.). Die Maßnahme ist aber besser als gar keine Vorsorge (z.B.: bei Personen, bei denen eine Darmspiegelung aus "individuellen anatomischen Gründen" nicht vollständig durchgeführt werden konnte, oder die sich nach Abwägung von Nutzen & Risiko nicht für eine Darmspiegelung entscheiden wollen). Die Bewertung der jährlich als gesetzliche Vorsorgeleistung angebotenen Stuhlteste sowie aller verfügbarer "Selbstzahlerteste" zeigt im Vergleich mit dem "GOLDSTANDARD DARMSPIEGELUNG" eine erheblich schlechtere Vorhersage in Bezug auf alle Test-Qualitätskriterien.

  • Neuere sogenannte Selbstzahlerteste übersehen nicht ganz so viele Befunde, sie sind aber dafür nicht sehr spezifisch: sie zeigen also oft dann eine Krebskrankheit an, wenn gar keine Krebskrankheit vorliegt. Bei Menschen, die große Hemmungen vor einer indizierten Darmspiegelung haben, kann ein positiver Test (z.B: der M2-PK Enzymtest, der "NUR" jeden zehnten Krebs übersieht) die Entscheidung für eine Darmspiegelung eventuell erleichtern.

  • Doch Vorsicht vor Panikreaktionen! Ein positives Testergebnis bedeutet hier in der Mehrheit der Fälle immer noch: KEIN Krebs! So haben z.B. Menschen im Alter von 50 bis 79 Jahren mit einem positiven M2-PK Test-Ergebnis ein 3fach höheres relatives Risiko für das Vorliegen von Darmkrebs, das absolute Risiko erhöht sich aber nur von 1% auf 3%:

  • - 1% = bei einem von 100 Menschen findet sich Darmkrebs in der Personengruppe 50- 79J, - 3% = bei positivem M2-PK Stuhltest findet sich bei einer von 30 Personen Darmkrebs.(Siehe hierzu der Artikel im "industrieunabhängige" arznei-telegramm 2007; Jg 38, Nr 6.)

  • Darmkrebsvorsorge mit einem neuen spezifisch genetischen Test aus dem Blut (SEPT 9 Test):
  • Möglicherweise besser als alle bisherigen Stuhlbasierten Verfahren könnte der neu entwickelte SEPT 9 Bluttest (ebenfalls bislang ein Selbstzahlertest) für die Erkennung von Darmkrebs sein, falls keine Darmspiegelung möglich bzw. gewünscht ist. Hierbei wird in der Altersgruppe ab 50J. im realen Einsatz eine Spezifität von 88% bei einer Sensitivität von 67% angegeben (die publizierte Datenbasis ist allerdings noch sehr dürftig). Ein positives Testergebnis bedeutet auch hier in der Mehrheit der Fälle (19 von 20 Fälle) KEIN Krebs! Im Gegenzug können hierbei aber Darmkrebse noch in relevanter Menge übersehen werden, insbesondere zu den Frühstadien und Krebsvorstufen(Adenome), die bei rechtzeitiger Erkennung mit besonders großen Heilungchancen zu behandeln sind, fehlen noch belastbare Daten.
  • Somit gilt: das BESSERE (Darmspiegelung) ist der Feind des GUTEN (Stuhl oder Blutteste), keiner der derzeit verfügbaren Testverfahren ist ein gleichwertiger Ersatz für die Darmspiegelung!  Insbesondere folgende beiden Fehlannahmen von "Vorsorgewilligen" sind gefährlich: 

  • - ICH habe einen negativen Darmkrebs-Test, also habe ich keine Krebsvorstufe/kein Krebsrisiko?

  • NEIN, je nach Test-Hersteller werden 40 bis 90% relevanter Erkrankungen durch die Tests übersehen! Ein negatives Testergebnis macht eine Darmspiegelung also keinesfalls überflüssig!

  • - ICH habe einen positiven Darmkrebs-Test, also habe ich eine Krebsvorstufe/bzw. Darmkrebs?

  • NEIN, die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs ist bei positivem Testergebnis  lediglich erhöht. Dies gilt insbesondere für Menschengruppen mit einem bereits relevantem Krankheitsrisiko, also z.B. bei beschwerdefreien Personen ohne weitere individuelle Risikofaktoren erst ab dem 50. Lebensjahr! Für Vorsorgeuntersuchungen bei Personengruppen mit geringer Erkrankungshäufigkeit (überwiegend junge Menschen unter 40 Jahren OHNE besondere Risikoanamnese, z.B.: bei betrieblichen Vorsorgeaktionen) kann hingegen die Wahrscheinlichkeit falsch positiver Ergebnisse erheblich ansteigen. Dies kann erhemit Erkrankungen in anderen Organen vergesellschaftet sein können (zB: M2-PK Stuhltest) führt diesselbst noch dann zu Verunsicherung, wenn die Darmspiegelung einen Normalbefund erbrachte. Umfangreiche weitere, letzlich ergebnis- und nutzlose Untersuchungen können die Folge sein.  

  • Immunochemische Verfahren wie

    Bionexia FOB plus * Bionexia Hb/Hp Complex * PreventID CC * immoCARE-C * FOB advanced * QuickVue iFOB

  • sind bislang als Vorsorgetest Selbstzahlerleistung, sie zeigen Darmkrebs und zT. auch adenomatöse Polypen (als potentielle Krebsvorstufen) zum Teil häufiger an, erreichen jedoch nicht  die  Sicherheit des "GOLDSTANDARD" DARMSPIEGELUNG(Literatur: Hundt et al. Ann Intern Med2009;150:162-9)

  •                                                              
  • (spätestens) ab 55J: Vorsorgedarmspiegelung (="GOLDSTANDARD"):

    Vorsorgeleistung der GKV ab dem 55. Lebensjahr, wobei von Seiten der Ärzteschaft vielfach auch ein früherer Beginn als empfehlenswert propagiert wird. Vorsorgeintervall: alle 10 J. bei Normalbefund bzw. häufiger bei relevantem Befund. (medizinisch optimales Intervall aus Sicht des Patienten: i.d.R. alle 5 Jahre). Es handelt sich um eine Krebsfrüherkennung, bzw. bei Polypenentfernung sogar um eine echte Prävention, die Darmkrebs verhindern kann.--->Aktuelle S3 Leitlinie Kolorektales Karzinom der DGVS (Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten) aus dem Jahr 2008. Vorsorgedarmspiegelungen im Sinne der gesetzlichen Vorsorge dürfen in Deutschland nur von regelmässig hygienisch überprüften Ärzten mit nachgewiesener Prozess- und Strukturqualität durchgeführt werden. Die Ergebnisse der Vorsorgedarmspiegelungen werden vollständig wissenschaftlich erfasst und ausgewertet.

  • Aktuelle Ergebnisse des deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ, publiziert in Annals of internal medicine 2011;154:22-30) legen nahe, dass die hohe Untersuchungsqualität der totalen Vorsorgespiegelungen in Deutschland unvergleichbar bessere Ergebnisse bringt, als aus ansderen westlichen Ländern berichtet wird!

  • PLUS: Geringe Anzahl von 100 Personen, um einen Krebs zu diagnostizieren (NND=1:100). Dies liegt an der großen Häufigkeit der Erkrankung: mit etwa 71.400 Neuerkrankungen und 28.900 Todesfällen pro Jahr allein in Deutschland sind kolorektale Karzinome die zweithäufigste Todesursache von allen bösartigen Tumoren. Dies bedingt auch die geringe Anzahl von 300 Personen (NNT=1:300), um einem Menschen zusätzlich zu heilen (Krebsheilungsrate ohne Vorsorge 60% mit Vorsorge 95%, somit ist eine Krebsheilung bei einem von 3 Krebspatienten der Vorsorge zuzuschreiben). Bei jeder dritten Vorsorgedarmspiegelung werden potentielle Krebsvorstufen entdeckt und in der Regel gleich entfernt, das Lebenszeitrisiko für das versterben an Darmkrebs beträgt in der untersuchten Altersgruppe 5%. Auch aus der amerikanischen NATIONAL POLYP STUDY (1993) lässt sich abschätzen, dass die Entfernung von Krebsvorstufen (Darmpolypen) bei 1 von 20 Menschen einen Darmkrebs verhindert ( Primärprävention). Darmkrebs ist relativ häufig in der Bevölkerung Hamburgs, mindestens 1000 Personen erkranken hier jährlich neu an Darmkrebs, über 500 sterben daran. Durch die Vorsorgedarmspiegelung könnte jährlich bei mindestens 400 dieser Menschen verhindert werden, dass diese an Darmkrebs sterben. 

    BEDENKENSWERT: Entfernung von Darmpolypen aus denen kein Krebs entstehen wird, kann als Form der Übertherapie gewertet werden. Die Untersuchung einschliesslich Polypentfernung geht allerdings mit nur sehr geringen Komplikationsraten einher, die auch nur im seltenen Ausnahmefall operativ versorgt werden muß (NNH: Darmriss= 1:5000). Eine Polypenentfernung kann in der Regel direkt während der Vorsorge-untersuchung erfolgen. Der Aufwand dieser Maßnahme ist im Regelfall bereits durch die Chancen einer feingeweblichen Beurteilung des Polypen und Sicherstellung der i.d.R. vollständigen "kurativen" Entfernung des krankhaften Gewebes (= Zusatznutzen), und der Entkräftung von Krebsbedenken der Patient(inn)en gerechtfertigt. Zwar besteht nur ein sehr geringe Wahrscheinlichkeit, daß die Untersuchung inkl. eventueller Polypenentfernung dem Patienten schaden kann, im Extremfall ist aber eine Todesfolge möglich (NNK=1:500.000 oder mehr). Dies unterstreicht die Bedeutung einer sorgfältigen individuellen Nutzen/Risiko-Abwägung und einer perfekten Organisation in Bezug auf Qualitätsmanagement & hoher Expertise der Leistungserbringer. 

    Im Falle von individuell erhöhtem Darmkrebsrisiko (Familiengeschichte mit gehäuften Polypen, Darmkrebs oder anderen Krebsarten, eigene Krankengeschichte ggf. mit anderen Krebserkrankungen, Polypen, chronisch entzündlicher Darmerkrankung, langjährigem Diabetes, etc.) kann die Nutzenabwägung auch bei engmaschigeren Kontrollintervallen allerdings noch weitaus günstiger ausfallen. Siehe hierzu: Risikofragebogen Darmkrebs.

  • Krebsvorsorge im Verdauungstrakt bei besonderem RISIKO

  • Krebsvorsorgeuntersuchungen für andere Organsysteme (z.B.: Magen, Leber, Bauchspeicheldrüse, Schilddrüse, Lunge) können zwar derzeit nicht im Rahmen eines allgemeinen Screening für jedermann (jede Frau) empfohlen werden, können aber bei Menschen mit besonderen individuellen Risikofaktoren sehr sinnvoll sein.

  • Ausschlaggebend ist die Familiengeschichte und eigene Krankengeschichte, ein individuell abgestimmtes Vorsorgeprogramm kann hier bei Risikofaktoren sinnvoll sein, dies sollten Sie mit Ihrem Arzt/ Ihrer Ärztin klären. So gibt es Methoden zur Früherkennung von Kehlkopf/Stimmband oder Speiseröhrenkrebs (Spiegelung), Leberkrebs (AFP-Tumormarker & Ultraschall bei Leberzirrhose) oder Bauchspeicheldrüsenkrebs (endoskopischer Ultraschall & Tumormarker CA 19/9 bzw. CEA) und zur
  • Primärprävention z.B.: bei Magenkrebsrisiko (Helicobacter-Bakterienentfernung aus dem Magen & jährliche Magenspiegelung ), insbesondere bei Risikopersonen mit hohem Magenkrebsrisiko = Raucher, Krebsfamilien, Portugiesen, Menschen asiatische Abstammung).

  • Krebsvorsorge anderer Organsysteme

    12-17 Jahre: HPV-Impfung/Mädchen (Schutz vor Gebährmutterhalskrebs u.a.)

    Leistung der GKV, 3 Impfungen innerhalb von 6 Monaten gegen krebsfördernde Herpesviren (tetravalent).

    PLUS: ECHTE Primärprävention, sehr hoher Impfschutz, bisherige Daten deuten auf guten Schutz vor Krebsentwicklung, Möglicherweise indirekt auch Nutzen für die Männer. 

    BEDENKENSWERT: Veröffentlichte Studien sind erst über maximal 4 Jahre Beobachtungszeit veröffentlicht. Geringe absolute Häufigkeit & Sterblichkeit des Krebses bedeuten, daß die NNT sehr hoch ausfällt. Auch wenn mir genaue Angaben zur Zahl von Personen im Impfalter (bezogen auf Hamburg oder Deutschland) nicht vorliegen, muß mit Sicherheit eine sehr grosse Zahl an Mädchen bzw. jungen Frauen geimpft werden, um eine Person vor Krebsentstehung bzw. dem Versterben an der Krebserkrankung zu schützen. In Hamburg sterben jährlich lediglich ca. 24 Frauen unter 65 Jahren an diesem Krebs. In Deutschland erkranken jährlich 6200 Frauen an diesem Krebs, und 1700 sterben daran. Ein Vergleich mit den mindestens 5000 Grippetoten jährlich in Deutschland (2004: 12.000 Tote) zeigt, dass die Maßnahme nur einen recht kleinen Teil der relevanten Lebensrisiken beeinflussen kann. Wichtig ist also, auch andere Vorsorgemöglichkeiten, z.B.: andere von der ständigen Impfkomission "STIKO"  empfohlene Impfungen (www.rki.de) und medizinische Präventions- bzw. Krebsvorsorgeangebote (s.u.) zu prüfen und bei "Eignung" auch wahrzunehmen.

  • Der deutsche Krebsinformationsdienst (www.krebsinformationsdienst.de, Zugriff 11.11.2010) berichtet, das die "STIKO" und andere  Medizinische Experten die Wirksamkeit einer HPV Impfung für die Verhinderung von Krebsstufen als belegt ansehen,  ohne dass schwere Impf-Nebenwirkungen zu beobachten waren. Allerdings seien noch folgende Fragen offen:

  • 1) wie lange hält der Impfschutz, 2) im Welchem Ausmaß senkt die Impfung die Zahl an Gebährmutterhalskrebsen wirklich?

  • Die Impfempfehlung ist somit nicht sicher evidenzbasiert, sondern eher ethisch motiviert, weil ein möglicherweise effektiver Schutz den  jungen Frauen nicht bis zum Vorliegen zweifelsfreier Belege für die Wirksamkeit der Impfung vorenthalten werden soll.

  • Übrigens: die Impfung nützt nicht zur Behandlung bereits bestehender Krebsvorstufen bzw. Karzinome. Da ca. 30% der Zervixkrarzinome durch die Impfung nicht verhindert werden können, wird der regelmässige PAP- Abstrich (s.u.) zur Früherkennung nicht überflüssig.

  • ab 20 J.: PAP-Abstrich beim Frauenarzt(Schutz vor Gebährmutterhalskrebs)

    Leistung der GKV, jährlich. Früherkennung, keine Prävention.

    PLUS: Screening soll Schätzungen zufolge die Sterblichkeit für den Gebährmutterhalskrebs halbieren (also deutschlandweit 1700 Krebstodesfälle jährlich verhindern).  Diese Vorsorgeuntersuchung ist weder mit grossem Aufwand noch mit relevanten Untersuchungsrisiken verbunden. Grundsätzlich sind Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt meines Erachtens auch deshalb sinnvoll, weil in diesem Rahmen seit vielen Jahren die Gesundheitsaufklärung und Gesundheitsvorsorgemotivation der gesamten Bevölkerung gefördert wird ("Schneeballsystem": die Mehrzahl derjenigen Männer, die Vorsorgemaßnahmen in Anspruch nehmen, wurde nach meiner Erfahrung durch Ihrer Partnerin zur Vorsorge motiviert).

    BEDENKENSWERT: im Gegensatz zur HPV-Impfung handelt es sich um keine Prävention, sondern "nur" um Früherkennung, soweit man nicht anschliessende therapeutische Maßnahmen bei auffälligen PAP-Befund als "zweiten Teil" der Vorsorgemaßnahme subsummiert.  Relativ grosse Anzahl kontrollpflichtiger bzw. falsch positiver Befunde. Die Anzahl von diagnostizierten Krebsvorstufen, die sich auch wirklich zu Krebs entwickelt beträgt nur etwa 50%. Hierdurch theoretisch möglicher Schaden durch "überflüssige Therapie". Grosse Anzahl von 50.000 Frauen, die regelmässig untersucht werden müssen, um 1 Krebstod zu verhindern (da dieser Krebs relativ selten ist).

  • ab 30 J.: Abtasten der Brüste/Achselhöhlen (Frauenarzt) 

    Leistung der GKV, alle 2 Jahre. Früherkennung, keine Prävention.

    Bedenkenswert: Auch wenn die Chancen einer Krebsfrüherkennung durch frauenärztliche Brustuntersuchungen (wie auch durch die Selbstuntersuchung) allgemein als geringer als die Mammographie eingeschätzt wird, und der Nutzen im Sinne eines Überlebens-vorteils bislang durch harte wissenschaftliche Daten kaum belegt werden kann, ist die Methode zumindestens mit keinem krebsfördernden Potential verbunden, und somit in allen Altersgruppen sicher anwendbar.

    Meines Erachtens sind aber Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt schon alleine deshalb sinnvoll, weil in diesem Rahmen seit vielen Jahren die Gesundheitsaufklärung und Gesundheitsvorsorge-Motivation der Bevölkerung zum Thema gemacht wird. Frauenärzte und -ärztinnen sind für mich die Vorbilder & Vorreiter eines modernen präventionsorientierten ärztlichen Selbstverständnisses. Die erheblich größere Inanspruchnahme von Vorsorgeangeboten durch Frauen im Vergleich zu Männern kann aus meiner Sicht nicht nur durch das "fehlende vernunfterzeugende zweite X-Chromosom" der Männer erklärt werden. Frauen werden eben von ihren Gynäkolog(inn)en schon in jungen Jahren systematisch mit Vorsorgekonzepten vertraut gemacht!   

  • 50-69J.: Brustkrebsscreening durch Röntgenverfahren (Mammographie)

    Leistung der GKV, alle 2 Jahre. Früherkennung, keine Prävention.

    ->Aktuelle S3 Leitlinie Brustkrebsfrüherkennung 2008 (Geburtsh Frauneheilk 2008): Mammographie-Screening bezeichnet ein Programm zur qualitätsgesicherten Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen mittels der digitalen Röntgenuntersuchung. Dieses Programm wurde auf Grundlage neuer gesetzlicher Bestimmungen in Deutschland flächendeckend eingeführt und richtet sich an alle Frauen zwischen 50 und 69 Jahren. Der individuelle Nutzen des Screenings überwiegt ab dem 40. Lebensjahr die strahlenbedingten Gesundheitsrisiken, dieser positive Effekt auf die Brustkrebssterblichkeit ist allerdings NICHT so hoch bewertet, als daß in Deutschland eine Mammographie-Vorsorgeuntersuchung bei durchschnittlichem persönlichen Risiko im Sinne einer allgemeinen Screeninguntersuchung VOR dem 49. Lebensjahr durchgeführt werden dürfte. Das Optimum in Bezug auf das Nutzen/Risikoverhältnis liegt zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr. Nur in diesem Álter macht das Amt für Strahlenschutz eine Ausnahme und hat die Anwendung von Röntgenstrahlen zum Zwecke des allgemeinen Screenings in Deutschland zugelassen. Die Untersuchung ist keine Vorsorge, Brustkrebs wird nicht "verhindert". Wichtigstes Ziel des Screenings ist vielmehr die Entdeckung von Brustkrebs im "präinvasivem oder frühinvasivem Stadium" in dem die 5-Jahres-überlebensrate bei richtiger Therapie über 90% liegt. Allerdings können Röntgen-Anwendungen selbst prinzipell das Krebs-Risiko beim Menschen erhöhen, die Mammographie ist somit bei uns NUR unter den besonderen die Strahlenanwendung gerechtfertigenden Qualitätsbedingungen (z.B.: Befundung immer durch zwei erfahrene Ärzte) und NUR für die oben genannte Altersgruppe als allgemeine Screeninguntersuchung zugelassen. Nur im Alter von 50 - 69 Jahren wird der Nutzen bei Frauen mit durchschnittlichem Brustkrebsrisiko allgemein größer als der mögliche Schaden des Screening eingeschätzt.

    Für alle anderen Altersgruppen ist die Befolgung der leitlinien-gerechten Diagnosekette "Anamnese, Aufklärung, Information zum Gesundheitsverhalten, Erfragung von Risikofaktoren und schliesslich die Risiko- sowie Morbiditätsbewertung" erforderlich. Eine relevante Verbesserung der Heilungschancen bei Früherkennung hängt bei einem "positiven Krebs-Befund" besonders von der Einhaltung optimaler Prozessqualität aller Diagnostik- und Behandlungseinrichtungen ab. Auch diese Qualität muß daher für ein Präventionsprogramm genau definiert und eingehalten werden. Eventuelle negative Folgen der Früherkennungsmaßnahme (psychische Belastung durch "falsch positive" Befunde, und mögliche Risiken/Belastungen durch Überdiagnostik bzw. Übertherapie müssen mit den zum Screening eingeladenen Frauen unter Berücksichtigung ihrer Präferenzen, Bedürfnisse, Einwände, Sorgen & Ängste erörtert werden.)

    PLUS: Mammographie-Screening stellt derzeit die einzige Methode dar, die zur Früherkennung von Brustkrebs und Vorstufen allgemein als wirksam anerkannt ist. Auffällige Befunde bei der Selbstuntersuchung durch die Frau oder einen Frauenarzt sind zwar ebenfalls wertvolle Hinweise auf das Vorliegen einer ernsthaften Brusterkrankung, oftmals handelt es sich im Krebsfall dann aber nicht um ein frühes Krankheitsstadium im Sinne einer "echten" Früherkennung. Durch wiederholte Mammographiescreening-Untersuchungen findet sich bei ca. 5% der Frauen ab 40 Jahren ein Brustkrebs, mit steigender Häufigkeit in Abhängigkeit vom Lebensalter. Für das deutsche Mammographiescreening (Frauen: 50-69 Jahre) beträgt die NNT 1:500 bis 1:1000. Das bedeutet, daß im günstigsten Fall eine von 500 Frauen aufgrund Ihrer Teilnahme am Screening nicht an Brustkrebs stirbt.

    BEDENKENSWERT: Im Alter von 50 - 69 Jahren wird bei 8 von 1000 Frauen ein Brustkrebs im Rahmen der Screeninguntersuchungen neuentdeckt. Für 6 dieser 8 Frauen ist diese Entdeckung aber nicht mit einem Überlebensvorteil verbunden, sie erfahren nur früher von Ihrer Krebserkrankung. Nur ein bis zwei von 1000 gescreenten Frauen profitieren voraussichtlich durch die Screening-Mammographie insoweit, dass ein Brustkrebs rechtzeitig erkannt und geheilt werden kann. Dies bedeutet dann leider nicht einmal automatisch eine erhöhte Lebenserwartung bei diesen Personen. Denn nur 2% aller Frauen sterben an Brustkrebs, 98% an anderen Todesursachen.  Gemäß aktueller S3 Leitlinie ist ein Nachweis eines positiven Effektes des Mammographie-Screenings in Bezug auf die Gesamtsterblichkeit derzeit nicht erbracht, und auch zukünftig nicht zu erwarten. Auch zur Frage einer verbesserten Lebensqualität fehlen gesicherte Erkenntnisse. Ältere Studien lassen vermuten, daß sich in 14-60% der Fälle "präinvasive Tumore" in ein invasives, also lebensbedrohliches Krebsleiden weiterentwickeln. Somit wäre nur bei jeder zweiten bis sechsten Frau die Behandlung eines präinvasiven Befundes (=unmittelbare Krebsvorstufe) wirklich von individuellem Gesundheitsnutzen. Dieser Sachverhalt ist problematisch, da jeder Krebsverdacht in der Regel weitere invasive diagnostische oder therapeutische Maßnahmen auslöst. Aus Daten aus den USA (Frauen in einem Alter von 40-69 Jahre) kann geschlossen werden, daß nach insgesamt 10 Screening-Mammographien bei jeder zweiten Frau einmal ein falsch positiver Befunde (fälschliche Krebsdiagnose) in der Mammographie auftritt. 

    Für Frauen, die mit einem "positiven" Befund in der Mammographie konfrontiert sind, muß daher sichergestellt sein, daß eine unverzügliche weitere Abklärung innerhalb von 5 Arbeitstagen gewährleistet wird. Ausserdem müssen diese Frauen unverzüglich darüber informiert werden, das bei "positivem Befund" vielfach nur Fehlalarm vorliegt, also kein Brustkrebsleiden vorhanden ist. Mindestens in 4 von 5 Fällen liegt bei einen "positivem Befund" in der Früherkennung keinerlei Krebsleiden vor. Ein kleiner Trost ist, daß europäische Studiendaten etwas günstigere Fehlerraten aufweisen ("NUR" eine von drei Frauen bekommt im Rahmen von 10 x Screening fälschlich die Diagnose "krank" zugewiesen), und durch die hohe Qualität des deutschen Screeningprogrammes möglicherweise noch geringere Fehlerraten auftreten werden (bislang ist dies allerdings noch nicht belegt). 

    Zwischen 47% und 74%, also im günstigsten Fall 3 von 4 der fortgeschrittenen Krebse, werden in der Mammographie erkannt. Es ist anzunehmen, das die für die Vorsorge besonders interessanten Vorstufen und präinvasiven Stadien in einer höheren Rate übersehen werden können. Somit gilt ein Krebs bei normaler Screeningmammographie NICHT als sicher ausgeschlossen. Mindestens eine von 4500 Frauen, die am Brustkrebsscreening teilnehmen wird in Folge der Röntgenuntersuchung neu an einem Krebsleiden erkranken und sterben. Die NNH (strahlenbedingter Krebs) beträgt nach Studienlage 1:2500 bis 1:4500 (mindestens eine von 4500 Frauen, die gescreent werden, bekommt durch das Mammographiescreening einen Krebs, der ohne das Screening-Röntgen nicht entstanden wäre). 

  • ab 35 J.: Hautkrebsscreening=Inspektion durch geschulten (Haut-)Arzt. 

    Leistung der GKV, Früherkennung, keine Prävention. Seit 2008 dürfen alle Frauen und Männer ab 35 Jahren alle 2 Jahre zur Hautkrebsvorsorgeuntersuchung einen geschulten Hausarzt oder Dermatologen aufsuchen. Auf der Seite www.hautkrebs-screening.de können Sie erfahren, welcher Arzt in Ihrer Nähe die Vorausetzungen zur Vorsorge in Ihrer Nähe erfüllt. Eine evidenzbasierte S3-Leitlinie zur Hautkrebsprävention habe ich aktuell nicht gefunden.

    Plus: Hautkrebs ist eine sehr häufige Erkrankung, die weiter im Anstieg begriffen ist. In Deutschland erkranken jährlich ca. 118.000 Menschen neu an weißem Hautkrebs. Glücklicherweise sind diese Hautkrebse in aller Regel nicht tödlich. Dennoch kann die Erkrankung bzw. die notwenige Therapie in fortgeschrittenen Krankheitsfällen auch bei nicht tödlicher Erkrankung eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität zur Folge haben. Knapp 22.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an der besonders bösartigen Hautkrebsart, dem malignen Melanom; 15% - also ca. 3000 Personen - sterben jährlich daran. Durch Hautkrebsscreening beim Hautarzt werden nahezu 100% aller Krebse entdeckt.

  • BEDENKENSWERT: Durch Hautkrebsscreening beim Hautarzt werden zwar nahezu 100% aller Krebse entdeckt, allerdings ist nicht jeder Befund auch wirklich Krebs. Nur 1 von 25 Befunden stellt sich nach Entfernung wirklich als Krebs heraus. Die Entfernung stellt in der Regel allerdings keinen belastenden Eingriff dar. Dennoch ist das Hautkrebsscreening offensichtlich mit einem nennenswerten Anteil an Überdiagnosen und Übertherapien verbunden. Für Menschen mit positivem Hautkrebsscreeningbefund ist es wichtig zu wissen, daß nur in einer kleinen Minderheit von Fällen wirklich bereits Krebs vorliegt. 

    Da die Hautkrebs-Erkrankungswahrscheinlichkeit nach Ansicht von Fachleuten teils von änderbaren individuellen Risiko-Verhaltensweisen abhängt, und klare Risikofaktoren für ein besonders hohes Hautkrebsrisiko definiert sind, kann die Vorstellung beim Facharzt grundsätzlich ab 35 Jahren, vielfach aber auch schon früher Sinn machen. Eltern sollten wissen bzw. erfahren: Sonnenbrand in der Kindheit ist ein großer Risikofaktor für eine spätere Hautkrebsentstehung. Das Verhalten in der Sonne, die Vermeidung von Solarien, und die individuelle genetische Disposition (viele Pigmentmale, blasse Haut mit Sommersprossen, sonnenempfindliche Haut) aber auch angeborene und sich verändernde Pigmentmale sollten mit Arzt erörtert werden, bei Risikopersonen muss die Früherkennung früher und intensiver erfolgen, Verhaltensänderungen wäre hier sogar im Sinne einer Chance zur Primärprävention zu werten. Es gibt aber leider bislang kaum Belege für die Wirksamkeit solcher Empfehlungen zur Verhaltensänderung. In dem in den "Annals of Internal Medicine" vom 3. Februar 2009 veröffentlichten Aufsatz "Screening for Skin Cancer. U.S. Preventive Services Task Force Recommendation Statement" kommen Wissenschaftler der U.S. Preventive Services Task Force nach Sichtung der Ergebnisse aller zum Thema in englischer Sprache seit 2001 erschienenen Studien zum Schluss, dass derzeit noch kein ausreichender wissenschaftlicher Nachweis  für den Nutzen eines Hautkrebsscreening erbracht wurde: "The USPSTF concludes that the current evidence is insufficient to assess the balance of benefits and harms of screening for skin cancer by primary care clinicians or by patient skin self-examination." Die U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) ist die öffentliche wissenschaftliche Einrichtung, die in den USA u.a. Empfehlungen zu Prävention für Patienten ohne erkennbare Anzeichen für die Zielerkrankung gibt. Auch wenn sie es der Politik und den Ärzten überlässt, ihre Erkenntnisse zu individualisieren, plädiert sie im aktuellen "Clinical Summary of U.S. Preventive Services Task Force Recommendation" zum Thema "Screening for Skin Cancer" für die allgemeine erwachsene Bevölkerung eindeutig so: keine Empfehlung =  "No recommendation due to insufficient evidence". Für eingehende Bschäftigung mit dem Thema verwiese ich auf das umfassende Arbeitspapier "Screening for Skin Cancer: An Update of the Evidence for the U.S. Preventive Services Task Force" von Wolff T, Tai E und Miller T. (Evidence Synthesis No. 67. AHRQ Publication No. 09-05128-EF-1. Rockville, Maryland: Agency for Healthcare Research and Quality. February 2009), und auf den aktuellen Aufsatz "Screening for Skin Cancer. U.S. Preventive Services Task Force Recommendation Statement" der U.S. Preventive Services Task Force in der Fachzeitschrift "Annals of Internal Medicine" (Ann Intern Med. 2009;150:188-193).

  • ab 40J. Prostatakrebsscreening (PSA i. Blut, Baseline & i. Intervall s.u.) 

    KEINE Leistung der GKV (sog. IGEL-LEISTUNG). Früherkennung, keine Prävention.

    ->Aktuelle S3 Leitlinie Prostatakarzinom der DGU (Deutsche Gesellschaft für Urologie) verfügbar seit September 2009: Die Leitlinie empfiehlt die Bestimmung des PSA-Wertes (quantitatives Testverfahren) erst ab dem 40. Lebensjahr (und bei mutmaßlicher weiterer Lebenserwartung von mehr als 10 Jahren). Bei PSA Werten bis 2 ng/ml sollten alle 2 Jahre, oder seltener kontrolliert werden, bei Werten über 2ng/ml sollte zunächst  jährlich kontrolliert werden. Bei Werten zwischen 2 und 4 ng/ml liegt bei einem von Männern hier tatsächlich Prostatakrebs vor. Eine Prostataprobeentnahme (Biopsie) soll erfolgen: -bei wiederholt gemessenen PSA-Werterhöhungen von mindestens 4 ng/ml, -bei verdächtiger digital-rektaler Untersuchung, -bei auffälligem Anstieg des PSA-Wertes (gleiche Testmethode!). Die stärkste Vorhersagekraft für das Vorliegen eines Prostatakrebses bei Kontrollen im Verlauf ergibt sich aus dem Vergleich mit dem ersten PSA-Wert (=Baseline-Wert), einen gewissen Vorhersagewert haben aber darüberhinaus auch die Familiengeschichte, und die genetische Veranlagung, die eine konkrete Kontrollintervall-Empfehlung zusätzlich individuell beeinflussen können.

  • PLUS: als zugegebenermaßen nicht übermässig überzeugendes Pro-Argument kann die Alternativlosigkeit der PSA-Bestimmung angeführt werden: die alleinige digital-rektale Abtastung der Prostata, also die gesetzliche Vorsorgeleistung, ist für eine Prostatakrebs-Früherkennung gemäss S3 Leitlinie explizit als nicht ausreichend beurteilt worden, und auch die derzeit verfügbaren bildgebenden Verfahren sind für eine Prostatakrebs-Früherkennung nicht geeignet.

    BEDENKENSWERT: Nur Männern mit Wunsch nach einer Früherkennungsuntersuchung soll die Bestimmung des PSA-Tumormarkers und eine digital-rektale Untersuchung empfohlen werden, denn es kann derzeit nicht eindeutig belegt werden, dass der Nutzen dieser Maßnahme die Risiken bzw. mögliche Schäden relevant überwiegt. Eine aktuelle europäische Studie (NEJM 2009) zeigt bei wiederholter Untersuchung des PSA-Wertes in 4-jährigen Abständen in der Altersgruppe von 50 - bis 74 Jahren zwar eine hohe Ausbeute (Krebs findet sich bei 1 von 12 Männern in einem 10 Jahreszeitraum). Allerdings zeigen die meißten Krebse einen gutartigen Verlauf & führen nicht zum Tode, so dass 1410 Männer gescreent werden müssen, um einen Tod an Prostatakrebs zu verhindern (NNT =1:1410). Darüberhinaus waren 76% aller Krebsbefunde falsch positiv (es lag trotz positivem Ergebnis doch kein Krebs vor), und 48 Männern mussten neu bislang unerkannte & nicht lebensbedrohliche Krebsdiagnosen erstmals mitgeteilt werden, und diese bislang symptomlosen Krebse mussten dann auch behandelt werden (dies umfasste abwartendes Beobachten, aber auch radikale Prostata-OP, Strahlentherapie und Hormontherapie), um ein Menschenleben bezogen auf 1410 gescreenten Männern zu retten. Für Männer in höherem Lebensalter bzw. mit erheblichen anderen Vorerkrankungen gilt, das wegen der 10 Jahres-Überlebensraten zwischen 80 und 90% GANZ OHNE Behandlung ein Screening für Sie nur dann sinnvoll ist, wenn die Lebenserwartung noch mindestens 10 Jahre beträgt. 

    ACHTUNG! Bei individuellen Risikofaktoren (z.B.: durch eigene Krankengeschichte bzw. genetische Risiken bei agressiv verlaufendem Prostatakrebs in der Blutsverwandtschaft) -  insbesondere in jüngerem Lebensalter - kann die Bewertung der Methode allerdings erheblich günstiger ausfallen.